Sandra plant am Samstag eine 90-minütige Winterwanderung auf dem Kamm. Die Vorhersage zeigt −7 °C Lufttemperatur und 40 km/h Wind. Sie gibt beide Werte in den Windchill-Rechner ein.
Rechenweg: Die JAG/TI-Gleichung setzt T = −7 und v = 40 ein, der Term v^0,16 ergibt etwa 1,80, sodass WC = 13,12 + 0,6215 × (−7) − 11,37 × 1,80 + 0,3965 × (−7) × 1,80 herauskommt; das ergibt einen Windchill von ungefähr −16,8 °C.
Ergebnis: Die gefühlte Kälte auf exponierter Haut liegt damit rund 9,8 °C unter der gemessenen Lufttemperatur und deutlich unter der üblichen Komfortzone für längeres Gehen ohne Gesichtsschutz.
Sandras Entscheidung: Sie packt eine Sturmhaube und eine zweite Handschuhschicht und plant kürzere Pausen an windgeschützten Stellen statt oben im freien Kammniveau.
Bei nur 10 km/h Wind läge der Windchill bei rund −11,7 °C, die Differenz zur Lufttemperatur schrumpfte auf 4,7 Grad und eine normale Mütze hätte gereicht.
Windchill bei Fahrtwind – Fahrrad und Motorrad: Wer sich selbst durch die Luft bewegt, erzeugt Fahrtwind und muss Eigengeschwindigkeit und tatsächlichen Gegenwind addieren.
Ein Radfahrer, der bei 0 °C Lufttemperatur und Windstille mit 30 km/h fährt, hat einen effektiven Wind von 30 km/h – das entspricht einem Windchill von rund −6,5 °C.
Bei 50 km/h Eigengeschwindigkeit und nur 10 km/h Gegenwind wirken effektive 60 km/h, was bei −5 °C Lufttemperatur einen Windchill von etwa −15,7 °C ergibt.
Wichtig ist dabei die Ausgangstemperatur: Ein Motorradfahrer bei Autobahntempo (120 km/h) kommt bei +5 °C Lufttemperatur und Windstille rechnerisch nur auf rund −4,0 °C Windchill – der Wind allein zieht die gefühlte Temperatur um etwa 9 Grad nach unten, mehr nicht.
Erst bei −5 °C Lufttemperatur und denselben 120 km/h fällt der Wert auf etwa −18,7 °C. Winddichte Kleidung und beheizbare Handschuhe sind bei diesen Bedingungen Sicherheitsausrüstung, nicht Komfort. 