Praxisfall: Untersuche f(x) = x^5 − 5x^3. Schritt 1 – f': f'(x) = 5x^4 − 15x^2 = 5x^2(x^2 − 3) → Nullstellen: x = 0, x = ±√3. Schritt 2 – f'': f''(x) = 20x^3 − 30x → f''(0) = 0 → Kandidat.
Schritt 3 – Vorzeichentest: f'(−0,5) = −3,4375 < 0 und f'(0,5) = −3,4375 < 0 → f' behält sein Vorzeichen, die Funktion fällt auf beiden Seiten weiter → echter Sattelpunkt S(0 | 0); zur Bestätigung liefert f'''(x) = 60x^2 − 30 den Wert f'''(0) = −30 ≠ 0.
Schritt 4 – x = ±√3: f''(√3) = 30√3 ≈ 51,96 ≠ 0 → dort liegen ein Hochpunkt und ein Tiefpunkt, keine Sattelpunkte. Ergebnis: genau ein Sattelpunkt S(0 | 0) als fallende Terrasse.
Der Fall ist besonders lehrreich, weil er zeigt, dass f''(x₀) = 0 allein nichts beweist: Erst der Blick auf f' entscheidet – bleibt das Vorzeichen wie bei x = 0 gleich, liegt der Sattelpunkt vor; kippt es wie an den Extremstellen ±√3, eben nicht.
Zum Vergleich lohnt der Klassiker f(x) = x^3: Hier ist f'(x) = 3x^2 überall außer bei null positiv, f''(0) = 0 und f'''(0) = 6 von null verschieden, sodass der Sattelpunkt S(0 | 0) als steigende Terrasse zweifelsfrei bestätigt ist.
Der Kontrast der beiden Terrassen – steigend bei x^3, fallend bei x^5 − 5x^3 – macht deutlich, warum der Vorzeichentest der ersten Ableitung so wichtig ist: Er trennt Sattelpunkte (Vorzeichen bleibt) von Extrempunkten (Vorzeichen kippt), statt sich auf das bloße Nullwerden der Ableitungen zu verlassen.
So schützt der zusätzliche Test vor der häufigsten Fehldeutung dieser besonderen Stellen.