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Fünf Wahlsysteme auf einer Stimmenbasis vergleichen: Sainte-Laguë, d'Hondt, FPTP

Kilian AchatzGründer & Fachredakteur
Geprüft: Review-Team Rechner-Portal (Sept. 2026)Stand:

Überblick

Was ist der Wahlsysteme vergleichen?

Starte mit der kurzen Einordnung, bevor du Eingaben und Ergebnis interpretierst.

Fünf Wahlsysteme auf derselben Stimmenbasis vergleichen — Sainte-Laguë, d'Hondt, FPTP, MMP und STV — und dabei sofort sehen, wie stark jedes System die Sitzverteilung verzerrt: Das ist die Aufgabe des Wahlsystem-Vergleichsrechners. Er beantwortet die zentrale Frage der vergleichenden Wahlforschung: Welches Verfahren hätte aus denselben Stimmen eine andere Parlamentszusammensetzung erzeugt?

Gallagher-Index: Formelkarte mit Vergleich Sainte-Laguë 0,08 vs FPTP 26,93 Die Proportionalität eines Wahlsystems lässt sich nicht an einem einzigen Ergebnis ablesen — erst der Vergleich auf identischer Datenbasis macht die systematischen Unterschiede sichtbar.

Sainte-Laguë und d'Hondt sind beides Divisorverfahren, liefern aber am letzten Mandat unterschiedliche Ergebnisse. FPTP (First Past the Post) verteilt Sitze ausschließlich nach Wahlkreissiegen und produziert typischerweise Zweiparteienparlamente.

MMP (Mixed-Member Proportional) kombiniert Wahlkreise mit Ausgleichsmandaten, und STV (Single Transferable Vote) arbeitet mit Präferenzübertragung und Droop-Quote.

Der Gallagher-Index quantifiziert die Disproportionalität jedes Systems als einzelne Kennzahl, die effektive Parteienzahl nach Laakso-Taagepera zeigt den Fragmentierungsgrad.

Eingaben

So nutzt du den Rechner

Hier siehst du, welche Werte erwartet werden und wie die Felder zusammenhängen.

Vier Felder bestimmen die Simulation. Die Gesamtsitze legen die Parlamentsgröße fest — voreingestellt sind 598, die Sollgröße der Bundestagswahl 2021 — seit der BWahlG-Reform 2023 beträgt die Regelgröße 630 Abgeordnete (§ 1 Abs.

1 BWahlG), Überhang- und Ausgleichsmandate sind durch die Zweitstimmendeckung ersetzt. Die Sperrklausel filtert Parteien unterhalb der eingestellten Prozenthürde aus der Verteilung; bei 0 Prozent nehmen alle Parteien teil.

Die Wahlkreise bestimmen die Zahl der Einpersonenwahlkreise für FPTP und die Direktmandat-Komponente von MMP — voreingestellt 299, also die Hälfte der Gesamtsitze. Die Parteienliste ist eine Tabelle mit Name und absoluter Stimmenzahl pro Partei.

Voreingestellt sind sechs Parteien mit Stimmen angelehnt an eine typische Bundestagswahl: CDU/CSU 11,2 Millionen, SPD 8,7, Grüne 5,3, AfD 4,8, FDP 2,4, Linke 1,9 Millionen.

Du kannst Parteien hinzufügen, entfernen oder die Stimmenzahlen frei ändern — der Rechner berechnet alle fünf Systeme sofort neu. Prozentwerte gibst du nicht direkt ein, sie berechnet der Rechner aus den absoluten Stimmen.

Der Unterschied zur Eingabe im Sitzverteilungsrechner ist, dass hier alle fünf Verfahren gleichzeitig auf derselben Datenbasis laufen statt eines einzelnen.

Berechnung

So funktioniert die Berechnung

Verstehe den Formelweg.

Die fünf Verfahren unterscheiden sich grundlegend in der Mechanik. Sainte-Laguë teilt durch die Divisorreihe 1, 3, 5, 7 und vergibt Sitze an die höchsten Quotienten — kleine Parteien profitieren vom niedrigen Anfangsdivisor.

D'Hondt teilt durch 1, 2, 3, 4 — der ganzzahlige Anfang bevorzugt große Parteien am ersten Sitz. FPTP verteilt in jedem Wahlkreis genau einen Sitz an die stimmenstärkste Partei; alle anderen Stimmen im Wahlkreis verfallen.

MMP kombiniert Wahlkreissiege per FPTP mit einer proportionalen Gesamtverteilung nach Sainte-Laguë.

Gewinnt eine Partei mehr Wahlkreise als ihr proportional zustehen, entstehen Überhangmandate — das Parlament wird durch Ausgleichsmandate vergrößert, damit die Proportionalität erhalten bleibt.

STV arbeitet mit der Droop-Quote: Gesamtstimmen geteilt durch Sitze plus 1, aufgerundet.

Parteien, die die Quote überschreiten, erhalten Sitze; Überschüsse werden proportional übertragen, die schwächste Partei wird eliminiert, bis alle Sitze vergeben sind.

Der Gallagher-Index fasst die Verzerrung in einer Zahl zusammen: Wurzel aus der halben Summe der quadrierten Differenzen zwischen Stimm- und Sitzanteil. Ein Wert unter 2 gilt als sehr proportional, über 10 als stark disproportional.

Die effektive Parteienzahl nach Laakso-Taagepera — 1 geteilt durch die Summe der quadrierten Sitzanteile — zeigt, wie fragmentiert das Parlament ist: Werte unter 2,5 deuten auf ein Zweiparteiensystem, über 4 auf ein Vielparteienparlament.

Nachschlagen

Wahlsysteme im Vergleich: Gallagher-Index und Merkmale (Tabelle 2026)

Wie proportional verteilt ein Wahlsystem die Sitze? Der Gallagher-Index misst die Disproportionalität — je niedriger, desto proportionaler. Diese Tabelle zeigt die fünf im Rechner simulierten Systeme mit ihren typischen Gallagher-Werten und Anwendungsbeispielen.

Fünf Wahlsysteme mit Gallagher-Index, Verfahrenstyp und Anwendungsbeispielen (Stand 2026)
WahlsystemTypGallagher-Index (typisch)Sperrklausel üblichAnwendungsbeispiel
Sainte-Laguë/SchepersDivisorverfahren (proportional)0,5–3,0Ja (5 % in DE)Bundestag (DE), Skandinavien
d'HondtHöchstzahlverfahren (proportional)1,0–5,0Ja (variabel)Europawahl (viele Länder), Spanien, Belgien
FPTP (First Past the Post)Mehrheitswahl (Einpersonenwahlkreise)10–25Nein (Wahlkreissieger)UK (House of Commons), USA, Kanada, Indien
MMP (Mixed-Member Proportional)Mischsystem (Erst-/Zweitstimme)1,0–4,0Ja (5 % in DE)Bundestag (DE, bis 2023; seit BWahlG 2023 Zweitstimmendeckung), Neuseeland
STV (Single Transferable Vote)Übertragbare Einzelstimmgebung2,0–6,0Nein (Droop-Quote)Irland (Dáil Éireann), Malta, australischer Senat

Expertenmodus

Häufige Fragen zu Wahlsysteme vergleichen

Spezielle Fragen geklärt. Tiefer verstehen.

Was ist der Gallagher-Index und was sagt er über ein Wahlsystem aus?

Der Gallagher-Index, auch Least-Squares-Index genannt, misst die Disproportionalität eines Wahlsystems — also wie stark die Sitzverteilung vom Stimmenergebnis abweicht.

Er berechnet sich als Wurzel aus der halben Summe der quadrierten Differenzen zwischen Stimm- und Sitzanteil aller Parteien. Ein Wert von 0 bedeutet perfekte Proportionalität: Jede Partei erhält exakt so viele Sitze, wie ihrem Stimmanteil entspricht.

Werte unter 2 gelten als sehr proportional, wie es typische Verhältniswahlsysteme wie Sainte-Laguë und d'Hondt erreichen. Werte zwischen 5 und 10 zeigen deutliche Verzerrungen, wie sie in Mischsystemen oder bei hohen Sperrklauseln auftreten.

Werte über 10 kennzeichnen stark disproportionale Systeme wie die britische Mehrheitswahl. Der Index wurde 1991 von Michael Gallagher in Electoral Studies eingeführt und ist seitdem der Standardindikator in der vergleichenden Wahlforschung.

Er hat sich gegenüber dem Loosemore-Hanby-Index durchgesetzt, weil er große Abweichungen stärker gewichtet als viele kleine.

Warum liefert FPTP nur zwei Parteien mit Sitzen?

Bei First Past the Post (Mehrheitswahl in Einpersonenwahlkreisen) gewinnt in jedem Wahlkreis die Partei mit den meisten Stimmen — alle anderen Stimmen in diesem Wahlkreis verfallen.

Wenn die zwei stärksten Parteien landesweit 58 Prozent der Stimmen auf sich vereinen, können sie durch Wahlkreissiege dennoch 100 Prozent der Sitze gewinnen, sofern sie in jedem Wahlkreis vorn liegen.

Kleinere Parteien müssen regional stark konzentriert sein, um einen Wahlkreis zu gewinnen — eine landesweite Verteilung von 15 Prozent reicht nicht, wenn die Partei nirgends stärkste Kraft ist.

Das erklärt, warum in Großbritannien die Liberal Democrats bei der Wahl 2019 mit 11,5 Prozent der Stimmen nur 11 von 650 Sitzen gewannen.

Im Rechner modelliert die FPTP-Simulation eine deterministische Regionalschwankung von ±50 Prozent um den Landesanteil mit parteispezifischer Phase — kleinere Parteien gewinnen keine Wahlkreise, solange ihr Spitzenwert unter dem Tiefstwert der Großen liegt.

Deshalb erhalten typischerweise nur die ein bis zwei stimmenstärksten Parteien Sitze. In der Realität gewinnen auch kleinere Parteien mit regionalen Hochburgen einzelne Wahlkreise — die Simulation überzeichnet den systematischen FPTP-Effekt bewusst.

Was unterscheidet Sainte-Laguë von d'Hondt bei der Sitzverteilung?

Beide sind Divisorverfahren zur proportionalen Sitzverteilung, unterscheiden sich aber in der Divisorreihe. D'Hondt teilt die Stimmenzahl jeder Partei durch 1, 2, 3, 4 und vergibt die Sitze an die höchsten Quotienten.

Sainte-Laguë teilt durch die ungeraden Zahlen 1, 3, 5, 7 — gleichbedeutend mit den Divisoren 0,5, 1,5, 2,5.

Der erste Divisor 0,5 bei Sainte-Laguë gibt dem allerersten Sitz einer kleinen Partei einen doppelt so hohen Quotienten wie bei d'Hondt, weshalb Sainte-Laguë kleinere Parteien etwas besser stellt.

D'Hondt bevorzugt tendenziell die stärkste Partei, weil deren frühe Quotienten die Rangliste dominieren.

Bei 598 Sitzen und 6 Parteien zeigt der Rechner einen typischen Unterschied von ein bis zwei Mandaten: Die CDU/CSU erhält bei d'Hondt 196 statt 195 Sitze, die FDP verliert eines von 42 auf 41.

Der Gallagher-Index steigt von 0,08 auf 0,15, bleibt aber in beiden Fällen unter 1 und damit sehr proportional.

Wie funktioniert das Mixed-Member-Proportional-System im Rechner?

Das MMP-System, wie es der deutsche Bundestag bis 2023 verwendete, kombiniert Wahlkreissitze (Erststimme) mit Listensitzen (Zweitstimme).

Im Rechner werden die Wahlkreissitze per FPTP-Simulation vergeben — die stimmenstärkste Partei gewinnt den Wahlkreis. Parallel berechnet das System die proportionale Gesamtverteilung nach Sainte-Laguë auf alle Sitze.

Jede Partei erhält mindestens so viele Sitze, wie ihr aus der Proportionalrechnung zustehen.

Gewinnt eine Partei mehr Wahlkreissitze als proportionale Sitze, entstehen Überhangmandate — das Parlament wird vergrößert, und die anderen Parteien erhalten Ausgleichsmandate, damit die Proportionalität gewahrt bleibt.

Deshalb liegt der MMP-Gallagher-Index im Rechner bei 0,08 — identisch mit Sainte-Laguë — obwohl die FPTP-Komponente allein hochgradig disproportional wäre. Die Ausgleichsmandate kompensieren die Verzerrung.

In der Praxis hängt die MMP-Proportionalität davon ab, ob und wie Ausgleich gewährt wird — das deutsche Wahlrecht hat den Mechanismus mehrfach geändert und ihn seit der BWahlG-Reform 2023 durch die Zweitstimmendeckung ersetzt (§ 6 Abs. 1 S.

4 BWahlG): Überzählige Direktmandate bleiben unbesetzt, der Bundestag bleibt bei 630 Sitzen. Der Rechner modelliert das ältere System mit einstufigem Ausgleich, bei dem das Parlament über die Sollgröße hinauswächst.

Was ist STV und warum ähnelt das Ergebnis der Verhältniswahl?

STV steht für Single Transferable Vote — übertragbare Einzelstimmgebung. Wähler ordnen Kandidaten nach Präferenz. Ein Kandidat ist gewählt, sobald er die Droop-Quote erreicht: Gesamtstimmen geteilt durch Sitze plus 1, aufgerundet.

Überschüssige Stimmen eines Gewählten werden anteilig an die nächsten Präferenzen übertragen; bei keiner Überschreitung wird der schwächste Kandidat eliminiert und dessen Stimmen umverteilt.

Der Rechner simuliert STV vereinfacht: Jede Partei wird als Kandidatenpool behandelt, und Stimmentransfers folgen dem Stimmenanteil der verbleibenden Parteien.

Das Ergebnis ähnelt der Verhältniswahl, weil die Droop-Quote mathematisch einem Quotienten-Verfahren nahekommt.

In der Praxis hängt STV stärker von individuellen Präferenzordnungen ab und kann zu leicht anderen Verteilungen führen — insbesondere wenn Wähler quer über Parteigrenzen hinweg Kandidaten bevorzugen.

STV wird in Irland, Malta und für den australischen Senat verwendet. Der Gallagher-Index liegt bei STV typischerweise zwischen 2 und 6, im vereinfachten Modell niedriger.

Was ist die effektive Parteienzahl und wofür braucht man sie?

Die effektive Parteienzahl nach Laakso und Taagepera (1979) gibt an, wie viele gleichgroße Parteien dasselbe Konzentrationsmuster wie die tatsächliche Sitzverteilung erzeugen würden.

Sie berechnet sich als 1 geteilt durch die Summe der quadrierten Sitzanteile aller Parteien. Bei sechs Parteien mit gleichen Anteilen wäre die effektive Parteienzahl genau 6. In der Praxis liegt sie niedriger, weil große Parteien überwiegen.

Im Rechner zeigt Sainte-Laguë mit 4,5 effektiven Parteien ein pluralistisches System, in dem keine Partei allein dominiert.

FPTP dagegen zeigt eine effektive Parteienzahl von knapp 2 — das klassische Zweiparteiensystem, in dem nur zwei Parteien Sitze gewinnen. Die Kennzahl ist nützlich, weil sie auf einen Blick zeigt, wie fragmentiert ein Parlament ist.

Werte unter 2,5 deuten auf ein Zweiparteiensystem, 2,5 bis 4 auf ein System mit einer dominanten Partei und mehreren kleineren, über 4 auf ein pluralistisches Vielparteiensystem. Die Zahl hilft, Wahlsysteme über Ländergrenzen hinweg zu vergleichen.

Warum zeigt der Rechner für FPTP und MMP Wahlkreise statt nur Sitze?

Wahlkreise sind das Kernelement von FPTP und MMP. Bei FPTP gibt es nur Wahlkreissitze — jeder Wahlkreis wählt einen Abgeordneten, und nur die stimmenstärkste Partei gewinnt. Die Zahl der Wahlkreise bestimmt also direkt die Gesamtsitzzahl.

Bei MMP bestimmt die Zahl der Wahlkreise den Anteil der Direktmandate, die mit Listenmandaten verrechnet werden. Im Rechner können Sie die Wahlkreiszahl getrennt von der Gesamtsitzzahl einstellen, um verschiedene Szenarien zu simulieren.

Bei 598 Gesamtsitzen und 299 Wahlkreisen werden im MMP-Modus die restlichen 299 Sitze als Listensitze proportional verteilt.

Ändern Sie die Wahlkreiszahl auf 200, sinkt der FPTP-Einfluss auf das Gesamtergebnis, und die proportionale Komponente gewinnt an Gewicht. Die Trennung erlaubt es, den Effekt der Wahlkreiskomponente auf die Proportionalität isoliert zu untersuchen.

Weniger Wahlkreise bedeuten typischerweise einen niedrigeren Gallagher-Index im MMP-System, weil weniger Überhangmandate entstehen.

Erhöhen Sie die Wahlkreiszahl dagegen auf 400 bei 598 Sollsitzen, entstehen deutliche Überhangsituationen: Das Parlament wächst durch Ausgleichsmandate, und der MMP-Gallagher steigt messbar an, weil der einstufige Ausgleich die Proportionalität nicht vollständig wiederherstellt.

Welche Vereinfachungen macht der Rechner und was bedeuten sie für die Ergebnisse?

Der Rechner trifft drei wesentliche Vereinfachungen. Erstens simuliert er bei FPTP und MMP keine echten Wahlkreisergebnisse, sondern verteilt die Stimmen mit deterministischer Variation auf alle Wahlkreise.

In der Realität haben Parteien regionale Hochburgen, die zu anderen Ergebnissen führen — kleinere Parteien gewinnen in FPTP einzelne Wahlkreise, die das Modell ihnen nicht zuweist.

Zweitens modelliert STV keine individuellen Präferenzordnungen der Wähler: Der Rechner überträgt Stimmen proportional zum Stimmenanteil der verbleibenden Parteien, nicht nach echten Zweit- und Drittpräferenzen, die über Parteigrenzen hinweg gehen können.

Drittens werden bei MMP die Erststimmen gleich den Zweitstimmen gesetzt, obwohl Wähler in der Praxis Stimmensplitting betreiben — die Erststimme geht an einen lokalen Favoriten, die Zweitstimme an die bevorzugte Partei.

Trotz dieser Vereinfachungen bildet der Rechner die systematischen Unterschiede zwischen den fünf Wahlsystemen korrekt ab: FPTP ist stark disproportional, STV und MMP sind nahe an der Verhältniswahl, und Sainte-Laguë ist etwas proportionaler als d'Hondt.

Hinweise

Was muss ich bei der Nutzung beachten?

Schnelle Qualitätsprüfung für dein Ergebnis.

Vergleiche immer mindestens zwei Szenarien mit derselben Parteienkonstellation, aber unterschiedlicher Sperrklausel. Bei 5 Prozent scheiden FDP und Linke aus dem Beispiel knapp nicht aus; bei 8 Prozent scheitern FDP (7,0 Prozent) und Linke (5,5 Prozent), vier Parteien teilen die 598 Sitze unter sich auf.

Der Gallagher-Index steigt dabei spürbar, weil die unvertretenen Stimmen als Disproportionalität gemessen werden.

Der FPTP-Gallagher-Index im Rechner liegt mit 26,93 deutlich über dem britischen Durchschnitt von 10 bis 15 — das ist kein Fehler, sondern eine Eigenschaft der Simulation: Der Rechner verteilt die Stimmen mit deterministischer Regionalschwankung von ±50 Prozent um den Landesanteil auf die Wahlkreise, sodass typischerweise nur die zwei stärksten Parteien Sitze gewinnen.

In der Realität haben kleine Parteien regionale Hochburgen und gewinnen einzelne Wahlkreise, was den Index senkt. Die Simulation zeigt den systematischen FPTP-Effekt ohne regionale Verzerrung.

Ändere die Wahlkreiszahl im MMP-Modus, um den Effekt der Direktmandat-Komponente zu isolieren: Mehr Wahlkreise bedeuten mehr potenzielle Überhangmandate und damit ein größeres Parlament.

Bei 400 Wahlkreisen und 598 Sollsitzen entstehen deutlich mehr Überhangsituationen als bei 200, weil die Wahlkreissieger einen größeren Anteil am Sollparlament beanspruchen.

Anwendung

Wie setze ich die Berechnung in der Praxis ein?

So wird das Ergebnis in einer realen Entscheidung nutzbar.

Sitzverteilung 6 Parteien: Sainte-Laguë proportional vs FPTP konzentriert Ein Politikwissenschaft-Seminar will die Bundestagswahl 2021 unter verschiedenen Wahlsystemen durchspielen. Eingabe: 598 Sitze, 5 Prozent Sperrklausel, 299 Wahlkreise, sechs Parteien mit den Zweitstimmen der Wahl.

Das Ergebnis zeigt den zentralen Kontrast: Unter Sainte-Laguë erhalten alle sechs Parteien Sitze proportional zu ihren Stimmen, unter FPTP gewinnen nur CDU/CSU und SPD Wahlkreise — vier Parteien gehen leer aus, obwohl sie zusammen 42 Prozent der Stimmen halten.

Die Kennzahlen machen den Unterschied messbar. Der Gallagher-Index von 0,08 bei Sainte-Laguë bestätigt nahezu perfekte Proportionalität — die größte Abweichung zwischen Stimm- und Sitzanteil liegt unter 0,3 Prozentpunkten.

FPTP dagegen erreicht 26,93 — mehr als ein Viertel der Stimmen spiegelt sich nicht in Sitzen wider. Die effektive Parteienzahl sinkt von 4,5 auf 1,94: Aus einem Sechsparteienparlament wird rechnerisch ein Zweiparteiensystem.

Der Vergleich von d'Hondt mit Sainte-Laguë zeigt den subtileren Effekt: Die CDU/CSU gewinnt bei d'Hondt ein Mandat hinzu (196 statt 195), die FDP verliert eines (41 statt 42). Der Gallagher-Index steigt minimal von 0,08 auf 0,15.

MMP und STV liefern mit je 0,08 dasselbe Proportionalitätsniveau wie Sainte-Laguë — bei MMP durch den vollständigen Ausgleich, bei STV durch die proportionale Droop-Quote-Verteilung. Gallagher-Index aller fünf Systeme: Sainte-Laguë und STV bei 0,08, FPTP bei 26,93

Fallstricke

Welche Fehler sollte ich vermeiden?

Typische Anfängerfehler. Sicherer anwenden.

Der häufigste Fehler ist der direkte Vergleich von Gallagher-Werten aus dem Rechner mit empirischen Werten aus der Literatur. Der Rechner simuliert FPTP und MMP mit deterministischer Regionalschwankung (±50 Prozent um den Landesanteil), die reale Wahlen mit regionalen Hochburgen und Stimmensplitting nicht abbildet.

Ein FPTP-Gallagher von 26,93 im Rechner steht einem empirischen Wert von 10 bis 15 für britische Wahlen gegenüber — beides ist korrekt, aber nicht vergleichbar.

Zweitens wird übersehen, dass MMP im Rechner den vollen Ausgleich modelliert: Jedes Überhangmandat wird durch Ausgleichsmandate kompensiert, weshalb der MMP-Gallagher bei 0,08 liegt — identisch mit Sainte-Laguë.

In der Praxis hängt die MMP-Proportionalität davon ab, ob und wie Ausgleich gewährt wird; das deutsche Wahlrecht hat den Ausgleichsmechanismus mehrfach geändert und seit 2023 durch die Zweitstimmendeckung ersetzt (§ 6 Abs. 1 S. 4 BWahlG).

Drittens werden die MMP-Gesamtsitze mit den Sollsitzen verwechselt: Durch Überhangmandate kann das MMP-Parlament größer sein als die eingegebene Sollgröße. Der Rechner zeigt die tatsächliche Sitzzahl nach Ausgleich.

Viertens wird die STV-Simulation als exaktes Ergebnis gelesen, obwohl sie Präferenzordnungen über Parteigrenzen hinweg nicht modelliert.

Fünftens werden Prozentwerte statt absoluter Stimmen eingegeben — der Rechner erwartet aber absolute Stimmen, und die Parteienliste nimmt keine Prozenteingabe an.

Nächster Schritt

Was ist das Fazit und wie geht es weiter?

Die Kernaussage für die direkte Weiterentscheidung.

Der Wahlsystem-Vergleichsrechner stellt fünf Wahlsysteme auf derselben Stimmenbasis nebeneinander: Sainte-Laguë, d'Hondt, FPTP, MMP und STV.

Der Gallagher-Index und die effektive Parteienzahl quantifizieren die Disproportionalität und Fragmentierung jedes Systems — von der nahezu perfekten Proportionalität bei Sainte-Laguë bis zur starken Konzentration bei FPTP.

Die einzelnen Verfahren der Sitzverteilung im Detail erklärt der Sitzverteilungsrechner. Wie eine Sperrklausel kleine Parteien aus dem Parlament filtert, zeigt der Sperrklausel-Rechner. Die Wirkung von Überhangmandaten auf die Parlamentsgröße berechnet der Überhangmandate-Rechner.

Die Sitzverteilung der Europawahl nach Sainte-Laguë ohne Sperrklausel simuliert der Europawahl-Sitzverteilung-Rechner. Die Verschiebung der Stimmenanteile zwischen zwei Wahlen quantifiziert der Wahlswing-Rechner. Den prozentualen Stimmanteil aus absoluten Stimmen berechnet der Stimmen-Prozent-Umrechner.

Vertiefung

Welche typischen Beispiele zeigen die Berechnung?

Step-by-Step Walkthroughs. Realistische Szenarien.

Beispiel 1 · Einfach · Sainte-Laguë: A 50, B 30, C 20. d'Hondt: A 50, B 30, C 20. FPTP: A 34, B 16, C 0.

3-Parteien-System mit klarer Mehrheit

gesamtSitze
100
sperrklausel
5
wahlkreise
50
parteien
Partei A 5.000.000, Partei B 3.000.000, Partei C 2.000.000

Beispiel 2 · Mittel · Sainte-Laguë: 8 Parteien im Parlament, effektive Parteienzahl 7,12, Gallagher 0,32. d'Hondt: ebenfalls 8, ENP 7,05, Gallagher 0,35.

Hochfragmentiertes Parlament ohne Sperrklausel

gesamtSitze
200
sperrklausel
0
wahlkreise
100
parteien
A 1.000.000, B 900.000, C 800.000, D 700.000, E 600.000, F 500.000, G 400.000, H 300.000

Beispiel 3 · Komplex · Sainte-Laguë: nur CDU, SPD, Grüne und AfD im Parlament — FDP (7 %) und Linke (5,5 %) scheitern an der 10-%-Hürde.

Hohe Sperrklausel filtert Kleinparteien

gesamtSitze
598
sperrklausel
10
wahlkreise
299
parteien
CDU/CSU 11.200.000, SPD 8.700.000, Grüne 5.300.000, AfD 4.800.000, FDP 2.400.000, Linke 1.900.000

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Quellen, Transparenz und Haftung

Haftungsausschluss

Die Ergebnisse dieses Rechners sind Orientierungswerte und ersetzen keine professionelle Beratung. Für verbindliche Entscheidungen – insbesondere in finanziellen, gesundheitlichen oder rechtlichen Angelegenheiten – empfehlen wir die Einholung fachkundiger Beratung. Aktuelle Vertrags-, Produkt- und Regulierungsdaten können von den Rechenwerten abweichen.

Rechnerspezifische Grenzen: Vereinfachte Modellrechnung zum Vergleich von Wahlsystemen. FPTP und MMP simulieren keine echten Wahlkreisergebnisse. Die Ergebnisse dienen dem Systemverständnis, nicht der Wahlprognose.

Quelle: Gallagher, Michael (1991): Proportionality, Disproportionality and Electoral Systems (Electoral Studies), Bundeszentrale für politische Bildung (bpb.de): Wahlsysteme, Reine Mathematik (Sainte-Laguë, d'Hondt, Droop-Quote)

Stand: 2026-09-19

Externe Fachquellen
Qualitätsnachweise
Verantwortlich
Kilian Achatz
Herausgeber
Rechner-Portal
Letzte fachliche Prüfung
19. September 2026
Fachbereich
Politik & Wahlen / Wahlanalyse
Formeln basieren auf
Dokumentierte Rechenlogik mit Plausibilitaets- und Vergleichscheck
Zitation & Richtlinien

APA-Format

Rechner-Portal (2026). Wahlsysteme vergleichen. Abgerufen von https://rechner-portal.de/politik-wahlen/wahlanalyse/wahlsystem-vergleichsrechner

Harvard-Format

Rechner-Portal, 2026. Wahlsysteme vergleichen. Available at: https://rechner-portal.de/politik-wahlen/wahlanalyse/wahlsystem-vergleichsrechner

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